Österreichische Meisterschaften Feuerpistole
Tagebuch der Staatsmeisterschaft 2025 von Rudi Sailer
Zum Saisonschluss ging es nach Linz. Leider musste Top-Schütze Sigmar Kahlen aus persönlichen Gründen sehr kurzfristig absagen. So machten sich mein Bruder, Willy Sailer und ich auf die Reise um die Schützengilde Hall bestmöglich zu vertreten.
Unser Motto war klar – mit Vollgas gegen den Rest von Österreich!
Tag 1: Schnellfeuerpistole
Mit der Schnellfeuerpistole – unsere Lieblingsdisziplin – starteten die Bewerbe.
Durch zielgerichtetes Training und mentale Übungen hatten wir gute Voraussetzungen für einen starken Auftritt geschaffen.
Willy hatte sich bei den Sen1 viel vorgenommen, nämlich die Titelverteidigung. Mit einer tollen Performance erreichte er dann 551 Ringe und gewann überlegen mit 18 Ringen Vorsprung! Der Mannschaftssieg mit 61 Ringen Vorsprung (mit Herbert Sailer und Jozef Gyarfas) war dann nur noch Formsache.
Auch ich hatte ein Motto, wieder in der Herrenklasse zu starten, mich in das Finale zu schießen und dann um die Medaillen mitzukämpfen. Das Starterfeld war mit zwei Nationalkaderschützen und weiteren Top-Schützen sehr stark besetzt. Im ersten Halbprogramm konnte ich 279 Ringe auf die fünf Scheiben bringen und platzierte mich auf dem vierten Rang. Am Nachmittag ging es noch besser und ich konnte mich mit sehr guten 286 Ringen und gesamt 565 R. auf den zweiten Rang vorkämpfen. Damit blieb ich nur drei Ringe hinter dem international erfolgreichen Richard Zechmeister (Burgenland).
Das anschließende Finale, bei dem auch unser Landes-Oberschützenmeister Jochen Klammsteiner anwesend war, entwickelte sich zu einem spannenden Fight zwischen mir und den beiden Nationalkaderschützen Zechmeister und Daniel Kral (Niederösterreich).
Beim Finale sind Spannung und Druck für die Schützen enorm, da nur 4Sek Serien geschossen werden und ein Treffer erst ab 9,7 Ringen gezählt wird.
Vom 5. Rang konnte ich mich kurzzeitig auf den 1. Rang vorkämpfen. Nach der 7. Serie hatten Zechmeister, Kral und ich dieselbe Trefferanzahl. Das bedeutet: Shoot-Off! Leider gelang mir nur ein Treffer, aber ich freute mich sehr über die Bronzemedaille!
Am Abend gab es dann eine kleine Feier im Steakrestaurant mit meinen Brüdern, Zigarre inklusive.
Tag 2: Sportpistole.
Mein Ziel: jetzt ist Zeit für Gold! Doch ich war noch von Steak, Wein und Zigarre etwas erledigt.
Der Luftpistolenstand, ebenfalls am Gelände des Linzer Landeshauptschießstandes, ist für die Schützinnen und Schützen auch zum Aufwärmen gedacht. Willy und ich haben uns hier vorbereitet und abgeschirmt. Außer uns war hier niemand! Ich sammelte meine Gedanken und positiven Affirmationen: du hast gut trainiert, bist mental stark, hast ein super Team mit Willy und Mario Jofen – also ANGRIFF!
Die Präzision war nicht ganz einfach, der Nachhang vom Vorabend und die frühe Morgenstunde machten es schwierig in Konzentration zu bleiben. Doch mit 283 Ringen war ich soweit zufrieden. Das war die Zwischenführung, gemeinsam mit Lothar Kündig aus Vorarlberg. Willy hatte auch hart gekämpft und erreichte 279 Ringe, Zwischenrang drei.
Auf den Schnellschuss habe ich mich diesmal besonders vorbereitet und spezielle Übungen in mein Training eingebaut. Der Wettkampf verlief etwas chaotisch, da die elektronische Anlage nicht einwandfrei funktionieren wollte. Manche Schüsse wurden nicht angezeigt. Walter Patka und sein Team taten alles um die Anlage wieder zum Laufen zu bringen. Die Unterbrechungen brachten die Schützen freilich aus der Ruhe. Ich konnte es aber als Vorteil nutzen und mich entspannen, um dann wieder auf den Punkt meine Leistung abzurufen. Nach einer ca. 10 minütigen Pause schoss ich eine optimale 50er Serie. Mein Selbstvertrauen stieg. Auch Willy steigerte sich von Serie zu Serie und schoss mit einer perfekten 50er Serie aus. Was will man mehr.
Schließlich erreichte Willy Rang 2 – super! Ich konnte mit 288 Ringen und gesamt 571 Ringen mit Abstand gewinnen; beim Frühstück hätte ich das noch nicht für möglich gehalten.
Als Mannschaft siegten Willy, Mario Jofen und ich mit 35 Ringen Vorsprung auf das zweitplatzierte Team Wien.
Tag 3: Freie Pistole
Neuer Tag, neues Glück…
Wieder nichts mit ausschlafen, wir mussten um 08:45 Uhr am Start sein.
Willy und ich hatten uns die Ziele nochmals hoch gesteckt – obwohl wir in unserer Vorbereitung nicht speziell trainieren konnten wussten wir, dass wir auch in dieser Disziplin zu den Favoriten zählten.
Aber es kann ja nur einer gewinnen…
Willy, Jozef Gyarfas und ich schossen sehr konstant auf hohem Niveau. Leider misslang mir die letzte Serie und ich fiel auf den 4. Platz zurück. Den Sieg holte sich mit nur einem Ring Vorsprung Willy. Sensationell!!! Jozef platzierte sich gleich dahinter auf Rang 2.
Somit endete diese Disziplin in der Wertung Senioren 1 wieder mit einem Tiroler Doppelsieg. Beide Schützen erzielten dabei ein höheres Ergebnis als der Staatsmeister in der Männerklasse.
Gold gab es natürlich auch im Mannschaftsbewerb. Willy Sailer, Jozef Gyarfas und ich ließen dabei die zweitplatzierte Mannschaft aus Wien mit sagenhafte 90 Ringen hinter uns!
Tag 4: Standardpistole
Der letzte Wettkampftag bot noch einmal spannende Begegnungen mit Höhen und Tiefen.
Nach 60 Schuss zeigte mein Monitor 539 Ringe an. Kein Ergebnis das Freude macht. Aber was solls, auch die Konkurrenz war an diesem Tag nicht mehr in Topform. Da kein Schütze mehr Zähler auf die Scheibe brachte bedeutete das: Spiel, Satz und Sieg.
Auch Willy hatte keinen guten Tag. Leider konnte er diesmal nicht um die Medaillen mitkämpfen. Das darf nach vier anstrengenden Tagen schon mal vorkommen. Trotzdem konnten wir mannschaftlich den 2. Platz erreichen.
Damit ging eine erfolgreiche österreichische Meisterschaft für uns, unseren Verein die Schützengilde Hall und unser Bundesland Tirol zu Ende.
Willy sammelte in Summe 5x Gold und 2x Silber, meine Ausbeute: 4x Gold, 1x Silber, 2x Bronze – das kann sich sehen lassen!










